Verschiedene Kulturen
Miniaturen vom Landarzt

Verschiedene Kulturen

Reflexionen
Ausgabe
2024/03
DOI:
https://doi.org/10.4414/phc-d.2024.1331880042
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2024;24(03):80

Publiziert am 06.03.2024

Zwanzig Patientinnen und Patienten, siebzehn Nationen an einem einzigen Morgen. Das Stadtquartier war lebendig und bunt. Manchmal fragte sich Frau Dr. B., ob sie den verschiedenen Menschen gerecht werden konnte. Es war unmöglich alle die verschiedenen Kulturen zu kennen, ihr Verhältnis zur Medizin, zu Tod, Geburt, Ehe, Familie. Aber dann sagte sie sich, dass sie am besten sich selbst bleiben sollte. Sie konnte ja nicht ständig ihre Persönlichkeit auswechseln. Nein, die Leute sollten sie akzeptieren als eine Person aus einer anderen Kultur, die alle gleich anständig und engagiert behandelt, ohne anzubiedern. Diese Erkenntnis erleichterte den Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen und diese wiederum vertrauten ihr. Die Leute schätzten ihre Beständigkeit, ihre Offenheit und ihren Humor, aber auch ihre Entschlossenheit, z.B. wenn es galt sich für eine Patientin einzusetzen gegenüber einem Ehemann oder Vater. Gerade die Männer hatten über die Jahre gelernt, die Ärztin zu respektieren und das war keineswegs selbstverständlich.
Edy Riesen
edy.riesen[at]gmx.ch
Edy Riesen