Der Beginn einer Veränderung?

Der Beginn einer Veränderung?

Editorial
Ausgabe
2024/02
DOI:
https://doi.org/10.4414/phc-d.2024.1324060414
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2024;24(02):25

Publiziert am 07.02.2024

Es gehört zum guten Ton und ist Tradition, dass man sich zu Beginn des Jahres das Beste, Erfolg und Glück wünscht. Auch ich werde nicht davon abweichen.
Im Namen des KHM wünsche ich Ihnen, dass das Jahr 2024 Ihnen alles bringt, was Sie sich erhoffen, erreichen möchten und sich vielleicht sogar erträumen!
Träumen wir also ein wenig von Veränderung…
Ein neues Parlament, eine neue Bundesrätin: eine gute Nachricht für unser Gesundheitssystem? Zwei Kammern mit einer rechten Mehrheit, eine sozialistische Ministerin wie ihr Vorgänger: Aussicht auf Veränderung oder auf sichere Blockaden?
So langsam wie nötig und nicht so schnell wie möglich?
Auf jeden Fall werden die Themen 2024 brisant sein und es werden Entwicklungen erwartet, die die Finanzierung (aus einer Hand?), die Tarife (Einführung von TARDOC?) und die Digitalisierung (was für eine Entwicklung der künstlichen Intelligenz in nur einem Jahr seit dem Aufkommen von ChatGPT!) betreffen. Mehrere Themen werden Gegenstand einer Volksabstimmung sein und die Zukunft des Gesundheitswesens beeinflussen.
Und warum sollte man nicht über die Frage der Einheitskasse diskutieren (oder gar neu darüber abstimmen), die laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage des Ipsos-Instituts im Aufwind zu sein scheint (mehr als 60 % Befürworter, auch in der Deutschschweiz)?
Und was darf man sich für die Hausarztmedizin wünschen, die uns stets am Herzen liegt und uns voll und ganz erfüllt?
Dass das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) uns die 200 Millionen bewilligt, um die wir im September 2023 ersucht haben, um die Ausbildung, die Forschung und die Innovation in der Hausarztmedizin im Rahmen eines von allen Grundversorgergesellschaften getragenen Nachwuchsförderungsplans anzukurbeln?
Dass Bundesbern unter dem Impuls unserer neuen Gesundheitsministerin seine Prioritäten überdenkt und der Grundversorgung als Pfeiler eines gerechten, solidarischen und nachhaltigen Systems den zentralen Platz – und die entsprechenden Mittel – einräumt?
Wenn unsere politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger nur eine Zahl benötigten, um die Grundversorgung zu fördern, sollten sie die Schlussfolgerung einer kürzlich in der Zeitschrift JAMA veröffentlichten Studie [1] lesen: 10 zusätzliche Hausärztinnen und -ärzte pro 100'000 Einwohner führen zu einem Anstieg der Lebenserwartung um 51 Tage gegenüber 19 Tagen bei 10 zusätzlichen Fachärztinnen und -ärzten.
Und dürfen wir schliesslich von einem umweltfreundlicheren Gesundheitswesen träumen, das das Klima weniger belastet? Das ist nicht utopisch, wenn wir alle, die Pflegenden und die Gesundheitsinstitutionen, mit gutem Beispiel vorangehen und unseren Teil dazu beitragen, wie Tausende von Kolibris, die ein bedrohliches Feuer löschen. Die Werkzeuge sind vorhanden, um uns dabei in unserer täglichen Arbeit zu helfen, wie zum Beispiel das kürzlich von der FMH vorgeschlagene Massnahmenpaket «Planetary Health Toolkit», das wir konsultieren und vor allem anwenden sollten: toolkit.fmh.ch.
Und welche Verantwortung übernehmen wir in unseren täglichen Sprechstunden für die globale Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten, für eine ökologisch-biologisch-psychosoziale Betreuung?
Hoffnung ist Leben. Sie ist das Letzte, was stirbt, sagt Diogenes.
Möge das Jahr 2024 von Hoffnung erfüllt sein!
François Héritier Präsident KHM
Dr. med. François Héritier
Präsident
Kollegium für Hausarztmedizin
Rue de l’Hôpital 15
CP 592
CH-1701 Fribourg
francois.heritier[at]unisante.ch
1 Basu S, Berkowitz SA, Phillips RL, Bitton A, Landon BE, Phillips RS. Association of Primary Care Physician Supply With Population Mortality in the United States, 2005-2015. JAMA Intern Med. 2019 Apr 1;179(4):506-14.