Der Nachwuchs ist da – doch dem Absprung nahe

Editorial
Ausgabe
2023/07
DOI:
https://doi.org/10.4414/phc-d.2023.10716
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2023;23(07):193

Publiziert am 05.07.2023

Vor gut einem halben Jahr habe ich mich an dieser Stelle über die zahlreichen Massnahmen zur Nachwuchsförderung in der Haus- und Kinderarztmedizin gefreut, die nun ihre Früchte tragen. Meine Freude daran wird aktuell getrübt durch die vielen drohenden Berufsausstiege. Ich erlebe immer mehr Kolleginnen und Kollegen, die an ihrem Beruf zweifeln und an einen Ausstieg denken. Die jüngste Medizinergeneration ist zurecht weniger oder gar nicht mehr bereit, belastende Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Die NZZ-Umfrage unter mehr als 4500 jungen Medizinern hat gar gezeigt, dass mehr als 70 (!) Prozent schon mindestens einmal konkret darüber nachgedacht haben, aus diesem Grund den Arztberuf aufzugeben [1]. Zweifelsohne sind die Massnahmen, die das Interesse der angehenden Mediziner an der Haus- und Kinderarztmedizin fördern, nach wie vor unverzichtbar. Mindestens ebenso wichtig sind jedoch Massnahmen bei den Arbeits- sowie bei den politischen Rahmenbedingungen, damit der Arztberuf attraktiv bleibt oder es wieder wird! Aussteigende Ärztinnen und Ärzte fehlen schmerzlich, auch in der Haus- und Kinderarztmedizin! Der VSAO leistet unverzichtbare Arbeit in den Kliniken, um den Weg zu gesetzlich konformen Arbeitsbedingungen zu ebnen. Es braucht jedoch nebst dem gesetzlichen Rahmen echtes Interesse an den Anliegen der jungen Generation, ohne diese zu werten oder mit den eigenen früheren Konditionen oder Einstellungen zu vergleichen. SIE sind die Zukunft unseres Gesundheitswesens und müssen dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Egal, ob noch in der Weiterbildung oder frisch in der Praxis – der Nachwuchs ist unsere Hoffnung, und wir müssen alles daran setzen, diese hochqualifizierten Menschen in unserem tollen Beruf halten zu können!
Regula Friedli-Kronenberg
Redaktionelle Verantwortung
Manuel Schaub, JHaS
Tom Berger
Geschäftsführer JHaS
Effingerstrasse 2
CH-3011 Bern
tom.berger[at]jhas.ch
1 Niederberger M, Pfändler N, Kelén J. Bürokratie, Burnouts und Behandlungsfehler. Neue Zürcher Zeitung. 2023 Feb 20; p. 12–13.

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