Wie geht es unseren Ärztinnen und Ärzten?

Editorial
Ausgabe
2023/04
DOI:
https://doi.org/10.4414/phc-d.2023.10689
Prim Hosp Care Allg Inn Med. 2023;23(04):97

Publiziert am 05.04.2023

Zeitlich überlastete Ärztinnen und Ärzte, zu wenig Nachwuchs durch beschränkte Studienplätze und eine Abhängigkeit von ausländischem Fachpersonal bei gleichzeitiger Zunahme an Behandlungen, demografischem Wandel, zunehmender Multimorbidität, demoralisierender Bürokratielast, sinkender Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung und Digitalisierungslücke – die Medien, die Politik und auch die Fachkräfte selbst schlagen öffentlich Alarm um den Zustand des Schweizer Gesundheitswesens.
Diese Diskurse nahm die Redaktion des «Primary and Hospital Care» zum Anlass, dem Thema «Physician Well-Being», also der Gesundheit und dem Wohlbefinden unserer Mitglieder, eine Ausgabe zu widmen.
Lea Muntwyler
SGAIM
Mit diversen Beiträgen beleuchtet die vorliegende Ausgabe das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: Während Dr. Staeck, Prof. Streit und Prof. Zambrano von der Universität Bern die Gesundheit der Schweizer Ärzteschaft mit einem Fokus auf Ärztinnen und Ärzte in der Aus- und Weiterbildung betrachten (S. 106), blicken Dr. Weilenmann, Dr. Spiller, Dr. Princip und Prof. von Känel konkret auf 20 Jahre Forschung zu «Burnout» und anderen Belastungsindikatoren bei Schweizer Ärztinnen und Ärzten zurück.
Dabei wollen wir es aber nicht bei theoretischen Abhandlungen belassen. So legen wir Ihnen auch Tipps einer Expertin zur Stressprävention im Behandlungsalltag (S. 100) ans Herz und stellen «ReMed», das Unterstützungsnetzwerk für Ärztinnen und Ärzte in der Krise (S. 108), vor. Im Sinne der Interprofessionalität zeigen Dr. Anna-Katharina Ansorg und Prof. Dr. Streit anhand eines konkreten Beispiels, wie Hausärztinnen und Hausärzte bei der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes durch Medizinische Praxiskoordinatorinnen und -koordinatoren (MPK) entlastet werden können (S. 110). Wie können Ärztinnen und Ärzte die Vielzahl an Rollen, Paradigmen und tradierten Gewohnheiten im Spitalalltag durchbrechen? Dieser Frage geht Prof. Dr. Ghanem in einem Artikel zur «Anatomie der Zeit» nach (S. 121). Erlauben Sie uns zudem, das beLASTende Thema mit etwas trockenem Humor in Form eines Cartoons abzuschliessen. Lachen ist schliesslich gesund.
Gemeinsam mit ihren Partnern mfe, FMH und anderen Organisationen setzt sich die SGAIM für attraktive Weiter-, Fortbildungs- und Arbeitsbedingungen sowie für genügend hochqualifizierten Nachwuchs ein. Mit dem «SGAIM Prix Lumière» werden Projekte beleuchtet, welche die Arbeitszufriedenheit in der Arztpraxis oder im Spital erhöhen. Und mit dem «SGAIM Teaching Award» (Ausschreibung S. 102) werden Teacher, Mentoren oder Coaches belohnt, die sich auf herausragende Art für den ärztlichen Nachwuchs einsetzen. Dies, um nur einige Initiativen zu nennen. Die aktuellen Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen. Der kommende SGAIM-Frühjahrskongress vom 10. bis zum 12. Mai 2023 steht deshalb unter dem Motto «Together for better care».
Mit dieser frühlingshaft-hoffnungsvollen Botschaft wünschen wir Ihnen eine gute Lektüre zu einem Thema, das Ihnen bestimmt nahegeht.
Lea Muntwyler
Verantwortliche Kommunikation/Marketing
Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM)
Monbijoustrasse 43
Postfach
CH-3001 Bern

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