Spaghetti and Meatballs oder doch lieber halbadelig?
Eine Episode aus Mr. Beans Leben

Spaghetti and Meatballs oder doch lieber halbadelig?

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Ausgabe
2017/14
DOI:
https://doi.org/10.4414/phc-d.2017.01464
Prim Hosp Care (de). 2017;17(14):279-280

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Mitglied der Redaktion

Publiziert am 26.07.2017

Mr. Bean1 musste an diesem trüben Regentag mit hängenden Schultern einmal mehr den schweren Gang zu seinem Hausarzt Dr. Pilz2 antreten. Er hatte sich nach monatelangem Zögern entschlossen, seine Bürokollegin Xanthippe Schuppli anzusprechen und hatte ­diesen Versuch gerade noch rechtzeitig abbrechen können, als er in der Toilette des Geschäftshauses Schuppen auf seinem dunkelblauen Sakko entdeckte; als er mit dem Kamm seinen ohnehin schnurgeraden Scheitel scharf nachzog, rieselte es wie kleine Schneeflocken vom Bean’schen Haupt. Nein, das durfte nicht sein! «Schüppchen» könnte dies als eine Anspielung auf ihren Nachnamen verstehen, und zudem sah es einfach eklig aus.
Sofort musste also ein Termin beim Hausarzt her. Schon das Wartezimmer versetzte Mr. Bean in eine ­negative Trance, und er sah lauter Blaulichter und ­Rettungshelikopter vor seinem inneren Auge herum­sausen – die Schuppen hatten ihn in Panik versetzt. Endlich wurde er gerufen. Dr. Pilz empfing ihn gut gelaunt und klopfte dem zu Tode Betrübten so kräftig auf den Rücken, dass die Schuppen in alle Richtungen davon stiebten. «Aha, da haben wir das Problem!», meinte der Arzt und machte sich sofort daran, mittels eines Klebestreifens eine Probe von der schuppenden Kopfhaut zu nehmen. Ja, es beisse seit einigen Wochen, und der Shampoo aus der Drogerie habe nichts genützt. Dr. Pilz (wir kennen ihn aus einer anderen Episode [1]) befestigte den Klebestreifen auf einem Objektträger und liess ein Tröpfchen Methylenblau einziehen. Alsbald rief er ­begeistert: Mein Lieber, sie haben haufenweise «Spaghetti and Meat Balls» auf ihrem Werten ­Caput! Schauen sie hier im Mikroskop! Allerdings sei dieser Name typisch amerikanisch, denn Europäer würden niemals so verkochte Spaghetti essen wollen; und überhaupt seien die alten französischen Namen ungleich romantischer. Die Pilze hätten nämlich bis jetzt Malassezia furfur geheissen, nach deren Beschreiber, dem Arzt und Forscher Louis Charles Malassez. Das töne doch richtiggehend literarisch und geradezu halbadelig.
Malassezia furfur (auch Pitysporum ovale) gehören zu den Fungi imperfecti. Sie sind meist asymptomatisch, können aber unter anderem eine seborrhoische Dermatitis (Schuppung) oder eine Pityriasis versicolor verursachen. Die im Mikroskop sofort erkennbaren plumpen Mycelien nannten wir während meiner Ausbildung «Spazierstöckchen». Bei einer kürzlichen dermatologische Fortbildung fiel der suggestive Begriff «Spaghetti and meatballs». © Univeristy of California Regents.
Die Pilzchen würden im Übrigen die Kopfhaut (oder andere Hautteile) von vielen Menschen bewohnen, aber nur bei einigen Auserwählten gelegentlich einen Aufstand in Form einer milden Entzündung und Schuppung wagen. Diesen könne man mit dem richtigen Shampoo problemlos niederwerfen.
Mr. Bean war so verdattert, dass er vor Glück kein Wort herausbrachte. Keine Skalpierung, Bestrahlung, Kahlrasur oder Quarantäne. Er, der Angsthase und hoffnungsvolle Romantiker, sah in der ­noblen Besiedlung seiner Kopfhaut plötzlich ein gutes Omen. Er trat erhobenen und schuppenden Hauptes in den Regen ­hinaus. Mit dem Mut eines Astronauten wollte er sich nach 
erfolgter Kur definitiv an die Eroberung des ­Planeten Xanthippe machen.
Dr. med. Edy Riesen
Facharzt für Allgemeinmedizin FMH
Hauptstrasse 100
CH-4417 Ziefen
edy.riesen[at]hin.ch
1 Riesen E. Ein echter Deal: Pilze für Mr. Bean – Fusseln für Dr. Pilz. PrimaryCare. 2015;15(17):306–7.
Univeristy of California Regents

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